Deutungen des Krishna-lila: Bakasura

Auch der Dämon Bakasura gehört zu den Schergen Kamsas, des materiellen Bewusstseins in Person. Er  ist das Bild des atheistischen Ethik- und Morallehrers, der seinen Opfern unangemessene gesellschaftliche, moralische und sittliche Prinzipien außerhalb oder entgegen der höheren, göttlichen Moral und Ethik des Krishna-Bewusstseins aufzwingen will. Wie Putana und die anderen Dämonen Kamsas ist auch Bakasura der Diener der verkommenen materialistischen Gesellschaft, die die von ihm verdorbenen Kinder und Mitmenschen auf diese Weise gemäß ihren materialistischen Vorstellungen und Prinzipien genießen und ausbeuten will. Putana und Bakasura sind sich in ihrem heimtückischen und heuchlerischen Wesen und Tun sehr ähnlich und tatsächlich werden sie in den Veden auch als Bruder und Schwester beschrieben. Entsprechend seiner neidischen Natur betrachtet Bakasura Krishna oder Krishna-Bewusstsein als seinen Feind, und so möchte er Ihn töten. Doch soviel Macht ihm auch über die gewöhnlichen Menschen gegeben ist, für Krishna ist er kein Gegner. 

Srila Bhaktisiddhanta Saraswati Thakura beschreibt Bakasura in einem Artikel aus dem Harmonist (The Harmonist, Februar 1932) als das besonders gegen die Kindheit gerichtete Übel. Nur die Barmherzigkeit Krishnas kann die Kinder davon erlösen. Wenn man sich schon von Kindheit an im Dienste Krishnas betätigt, werden die jugendlichen Laster vollständig beseitigt. Jedoch der Atheist fürchtet sich davor, dass die Kinder im Dienste Krishnas beschäftigt werden, weil er sie selbst gemäß seinen materialistischen und gottlosen Vorstellungen genießen will. Deswegen beschäftigt er den empirischen Morallehrer, Bakasura, der den Kindern die jugendliche Unschuld und ihre natürliche Ausgelassenheit und Fröhlichkeit nehmen soll, um sie zu ergebenen Mitgliedern der unmoralischen, materialistischen Gesellschaft zu machen. Die weltliche Morallehre ist bar jeder Unschuld und nichts als Heuchelei. Sie lehrt Entsagung, um gemäß materialistischer Ideale noch weniger entsagt zu leben. Sie lehrt Moral, um noch weniger moralisch zu leben. Sie lehrt Gesundheit, um länger noch ungesunder zu leben. Die wirkliche Moral und Ethik liegt im hingebungsvollen Dienst für Krishna, der allen, Kindern und Erwachsenen, in jedem Alter zugänglich ist. Dies liegt daran, dass die wirkliche Moral des Krishna-Bewusstseins auf die Seele des Praktikanten gerichtet ist, nicht auf den vergänglichen Körper und Geist. Wer Krishna und damit die wirkliche Moral im hingebungsvollen Dienst gefunden hat, der ist immun gegen Bakasura. Srila Prabhupada erklärt diese Immunität im "Nektar der Hingabe" folgendermaßen: "Als Krishna den Mund des Dämons betrat, fielen Balarama und die anderen Kuhhirtenjungen fast in Ohnmacht und es schien als ob sie kein Leben hätten. Selbst wenn Gottgeweihte der Illusion einer grässlichen Szene oder irgendeinem zufälligen Ereignis unterliegen, vergessen sie niemals Krishna. Das ist der Vorteil des Krishna-Bewusstseins: selbst zur Zeit des Todes, wenn alle Funktionen des Körpers versagen, kann sich der Gottgeweihte in seinem innersten Bewusstsein an Krishna erinnern und dies rettet ihn vor dem Fall ins materielle Dasein. Auf diese Weise bringt einen Krishna-Bewusstsein unmittelbar von der materiellen Ebene in die spirituelle Welt."

Ausschnitt aus dem Srimad Bhagavatam:

Eines Tages brachten Krishna und Balarama sowie die anderen Jungen - jeder von ihnen mit einer eigenen Schar von Kälbern - die Tiere zu einem Gewässer, wo sie sie tränken wollten. Als die Kälber fertig getrunken hatten, tranken auch die Jungen von dem Wasser. (10.11.46)

Direkt neben dem See erblickten die Jungen einen gigantischen Körper, der einer Bergspitze glich, die von einem Blitz abgeschlagen und zersplittert worden war. Schon allein der Anblick eines solch riesigen Lebewesens versetzte sie in Angst. (10.11.47)

Der Dämon mit dem gewaltigen Körper hieß Bakasura. Er hatte die Gestalt einer Ente angenommen und besaß einen äußerst scharfen Schnabel. Kaum war er angekommen, so hatte er auch schon Krishna verschluckt. (10.11.48)

Als Balarama und die anderen Jungen sahen, dass die riesige Ente Krishna verschlungen hatte, wurden sie beinahe ohnmächtig und glichen Sinnen ohne Leben. (10.11.49)

Krishna, der der Vater Brahmas ist, aber die Rolle des Sohnes eines Kuhhirten spielte, nahm die Eigenschaften von Feuer an, wodurch Er den unteren Teil der Kehle des Dämons Bakasura verbrannte. So musste der Dämon Krishna sofort wieder ausspeien, und als er sah, dass Krishna unverletzt war, obwohl er Ihn verschluckt hatte, griff er Ihn sogleich erneut an - dieses Mal mit seinem scharfen Schnabel. (10.11.50)

Wenn ein Nichtgottgeweihter Krishna als Feind sieht, wird Krishna für ihn zum unausstehlichsten Objekt, so dass der Nichtgottgeweihte Krishnas Gegenwart weder innerlich noch äußerlich ertragen kann. Das zeigt uns hier das Beispiel Bakasuras. (Bhaktivedanta Kommentar zu 10.11.50)

Als Krishna, der Anführer der Vaisnavas, sah, dass der Dämon Bakasura, der Freund Kamsas, Ihn erneut angreifen wollte, packte Er den Dämon mit jeweils einer Hand an den beiden Hälften seines Schnabels und riss ihn vor den Augen der Kuhhirtenjungen ohne jede Mühe in zwei Teile, genau wie ein Kind einen virana-Grashalm auseinanderreißt. Dass Krishna den Dämon auf diese Weise tötete, bereitete den Bewohnern des Himmels große Freude. (10.11.51) 

Daraufhin ließen die Bewohner der himmlischen Planetensysteme mallika-puspa, Blumen aus Nandana-kanana, auf Krishna, den Feind Bakasuras, herabregnen. Darüber hinaus beglückwünschten sie Ihn, indem sie himmlische Kesselpauken und Muschelhörner erklingen ließen und Gebete darbrachten. Als die Kuhhirtenjungen dies sahen, wurden sie von Verwunderung ergriffen. (10.11.52)

Wenn Bewusstsein und Leben zurückkehren, beruhigen sich die Sinne. In ähnlicher Weise dachten alle Jungen, einschließlich Balaramas, sie hätten ihr Leben zurückgewonnen, als Krishna aus dieser Gefahr gerettet war. Sie umarmten Krishna erleichtert, trieben ihre Kälber zusammen und kehrten schließlich nach Vrajabhumi zurück, wo sie laut von dem Vorfall berichteten. (10.11.53)

Auf diese Weise verbrachten Krishna und Balarama Ihre Kindheit in Vrajabhumi mit kindlichem Spiel. Unter anderem spielten Sie Verstecken, bauten in Ihrer Phantasie eine Brücke über den Ozean und hüpften wie Affen hin und her. (10.11.59)

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