Deutungen des Krishna-lila: Krishna

GovindaKrishna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, repräsentiert in unserer Deutung zum Krishna-lila das ursprüngliche, reine Bewusstsein der Seele, das Krishna-Bewusstsein. Die Beschreibung des Erscheinens Krishnas im 10. Canto des Srimad Bhagavatam ist zugleich auch die Beschreibung des Erwachens des Krishna-Bewusstseins eines Gottgeweihten. Wenn jemand sein natürliches Krishna-Bewusstsein erweckt, erscheint Sri Krishna. Dies wird von Srila Prabhupada in seinen Kommentaren zum 10. Canto des Srimad Bhagavatams (2. und 3. Kapitel) erläutert und auch von Sri Visvanatha Cakravarti Thakura.

Wenn das echte Krishna-Bewusstsein einmal erschienen ist, dann gibt es keine Hindernisse, die nicht überwunden werden können. Weil die Höchste Persönlichkeit Gottes Selbst in reinem hingebungsvollen Dienst erscheint. Im Krishna-lila zeigen sich die Hindernisse als Dämonen, aber Krishna besiegt sie alle mit Leichtigkeit.

Das Erscheinen Krishnas: Ausschnitte aus dem Srimad Bhagavatam

In der Folge ging die Höchste Persönlichkeit Gottes, die die Überseele aller Lebewesen ist und alle Furcht Ihrer Geweihten beseitigt, in Ihrer ganzen Fülle in den Geist Vasudevas ein. (10.2.16)

Obwohl der Herr, der Meister aller Dinge, ungeboren ist, wird Er wie ein Kind geboren, indem Er in den Geist eines Gottgeweihten eingeht. Der Herr befindet sich bereits im Geist, und daher ist es nichts Erstaunliches, wenn er erscheint, als würde Er aus dem Körper eines Gottgeweihten geboren. (Bhaktivedanta Kommentar zu 10.2.16)

Solange Vasudeva die Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes im Innersten seines Herzens trug, war er von der transzendental leuchtenden Ausstrahlung des Herrn umgeben und strahlte so hell wie die Sonne. Es war deshalb überaus schwierig, ihn zu sehen oder ihm mit Sinneswahrnehmung näherzukommen. Ja, nicht einmal solch mächtige Männer wie Kamsa konnten in seine Nähe gelangen und ihn wahrnehmen, und nicht nur Kamsa war dies unmöglich, sondern allen Lebewesen. (10.2.17)

Daraufhin wurde die mit allen Füllen ausgestattete Höchste Persönlichkeit Gottes, die dem gesamten Universum in jeder Hinsicht Glück bringt, in Begleitung vollständiger Erweiterungen aus dem Geist Vasudevas in den Geist Devakis übertragen. So von Vasudeva eingeweiht, war Devaki wunderschön anzusehen, da sie Sri Krishna, das ursprüngliche Bewusstsein für jeden, die Ursache aller Ursachen, im Innersten ihres Herzens trug, genau wie der Osten dadurch schön wird, dass er den aufgehenden Mond trägt. (10.2.18)

Wie aus dem hier gebrauchten Wort manastah hervorgeht, wurde die Höchste Persönlichkeit Gottes aus Vasudevas Geist oder Herzen in das Herz Devakis übertragen. Der Herr gelangte jedoch, wohlgemerkt, nicht auf gewöhnlichem Wege in den Leib Devakis, sondern durch diksa, Einweihung. Somit wird die Wichtigkeit der Einweihung herausgestellt. Solange man nicht von der richtigen Person eingeweiht worden ist, ist es nicht möglich, die Fähigkeit zu erwerben, den Höchsten Herrn im Inneren seines Herzens zu tragen. (Bhaktivedanta Kommentar zu 10.2.18)

Von diesem Augenblick an trug Devaki die Höchste Persönlichkeit Gottes in sich, die Ursache aller Ursachen, in der der gesamte Kosmos ruht. Doch da sie in Kamsas Palast eingekerkert war, glich sie den Flammen eines Feuers, das von den Wänden eines Topfes verdeckt wird, oder einem Menschen, der Wissen hat, es aber nicht zum Nutzen der Menschheit auf der Weit verteilen kann. (10.2.19)

Das in diesem Vers gebrauchte Wort jnana-khala ist von größter Bedeutung. Wissen ist dazu da, verteilt zu werden. Der Wissenschaft steht zwar bereits eine große Menge von Wissen zur Verfügung, doch immer, wenn Wissenschaftler oder Philosophen auf einem bestimmten Gebiet eine neue Erkenntnis gewinnen, versuchen sie, dieses Wissen auf der ganzen Welt zu verbreiten, denn sonst würde es allmählich verlorengehen, und niemand könnte es mehr nutzen. Indien verfügt über das Wissen der Bhagavad-gita, doch aus irgendeinem Grund ergab es sich leider, dass dieses erhabene Wissen von der Wissenschaft der Gotteserkenntnis nicht auf der Welt verbreitet wurde, obwohl es für die gesamte Menschheit bestimmt ist. Krishna erschien deshalb persönlich als Sri Caitanya Mahaprabhu und gab allen Indern den Auftrag, das Wissen der Bhagavad-gita auf der ganzen Welt zu verbreiten. (Bhaktivedanta Kommentar zu 10.2.19)

Da Sich die Höchste Persönlichkeit Gottes in Devakis Leib befand, erhellte diese die gesamte Atmosphäre des Ortes, wo sie eingesperrt war. Als Kamsa Devakis freudige, reine Ausstrahlung und ihr Lächeln sah, dachte er: "Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Visnu, der mich töten wird, befindet Sich in ihr. Noch nie zuvor hat Devaki so strahlend und fröhlich ausgesehen. (10.2.20)

Der Herr sagt in der Bhagavad-gita (4.7): "Wann immer und wo immer das religiöse Leben zerfällt und Irreligiosität überhandnimmt, o Nachkomme Bharatas, zu der Zeit erscheine Ich."
In dem Zeitalter, in dem wir gegenwärtig leben, führen die Menschen ihre Pflichten nicht mehr ordnungsgemäß aus. Das menschliche Leben ist für Gotteserkenntnis bestimmt, doch leider werden in der materialistischen Zivilisation nur die Sinne des Körpers für wichtig gehalten, und niemand versteht die Lebenskraft innerhalb des Körpers. In der Bhagavad-gita heißt es klar, dass sich im Körper der Eigentümer des Körpers, die Lebenskraft, befindet (dehino 'smin yatha dehe) und dass diese wichtiger ist als der Körper. Die Menschen sind jedoch so tief gesunken, dass sie von der Lebenskraft im Körper nichts wissen und sich statt dessen mit äußeren Dingen beschäftigen. Das steht im Widerspruch zu den Pflichten des Menschen. Krishna erschien deshalb im Schoß der Bewegung für Krishna-Bewusstsein. Menschen vom Schlage Kamsas fürchten sich deshalb sehr und versuchen, besonders in den westlichen Ländern, diese Bewegung mit allen Mitteln aufzuhalten. Ein Politiker hat einmal gesagt, dass sich die Bewegung für Krishna-Bewusstsein wie eine Seuche ausbreite und dass sofort etwas dagegen unternommen werden müsse, denn sonst könne es geschehen, dass sie innerhalb von zehn Jahren die Regierung übernimmt. Dies stimmt zweifellos - die Bewegung für Krishna-Bewusstsein hat die Kraft dazu. Nach der Aussage von Autoritäten (Cc. A. 17.22) ist Krishna in diesem Zeitalter in Form des Hare-Krishna-maha-mantra erschienen (kali-kale nama-rupe krsna-avatara). Die Bewegung für Krishna-Bewusstsein verbreitet sich wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt, und dies wird auch weiterhin der Fall sein. Menschen wie Kamsa bekommen es mit der Angst zu tun, denn sie sehen, dass die Bewegung Zuwachs bekommt und bei der jüngeren Generation Anklang findet. Doch genau wie Kamsa Krishna nicht töten konnte, können Menschen, die von der gleichen Art wie Kamsa sind, diese Bewegung nicht aufhalten. Die Bewegung wird weiterhin immer größer werden - vorausgesetzt, dass die Führer der Bewegung fest im Krishna-Bewusstsein verankert bleiben, indem sie die regulierenden Prinzipien befolgen und die wichtigste Tätigkeit, das Chanten des Hare-Krishna-mantra, regelmäßig ausführen. (Bhaktivedanta Kommentar zu 10.2.20)

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